Ist antiautoritäre Erziehung das richtige Familienmodell?

Ist antiautoritäre Erziehung das richtige Familienmodell?

Ist antiautoritäre Erziehung das richtige Familienmodell?

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Vor gut 50 Jahren war die antiautoritäre Erziehung so etwas wie eine Revolution und die Grundlage für heftige Diskussionen in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Kinder der sogenannten 1968er sollten sich durch diesen Erziehungsstil frei entfalten und ohne Zwang zu eigenständigen Menschen werden. Heute weiß man, dass dieser Erziehungsstil Teil einer Protestbewegung gegen die Adenauer-Ära und gegen die sittenstrengen Eltern war, die ihre Kinder noch im preußischen Stil erzogen haben. Die antiautoritäre Erziehung ist mehr oder weniger gescheitert, aber bis heute haben sich einige grundlegende Gedanken zu dieser Erziehung gehalten und es gibt wieder Eltern, die diese Erziehung zum Familienmodell machen.

Mehr Philosophie als Erziehung

Die ersten Stimmen, die sich für das Gegenteil der strengen autoritären Erziehung aussprachen, gab es bereits in den 1920er Jahren, aber nach den Zweiten Weltkrieg wurden die Stimmen immer lauter, die eine neue Erziehung für Kinder wollten, um so eine Wiederholung des Dritten Reiches zu vermeiden. Ende der 1960er Jahren fand dann der Paradigmenwechsel in der Erziehung statt und die antiautoritäre Erziehung wurde endgültig salonfähig. Kinder sollten keinem Zwang mehr unterworfen werden, sie sollten die Fähigkeit entwickeln, frei zu denken und selbstbewusst heranzuwachsen. Wie so oft in der Theorie, sah alles sehr einfach und auch sehr plausibel aus, in der praktischen Umsetzung wurde allerdings relativ schnell klar, dass dieser Erziehungsstil kaum funktionieren würde.

Das Konzept in der Praxis

Die antiautoritäre Erziehung ist ein Konzept, das ein klares Ziel verfolgt: Autoritäten sollen abgeschafft werden. Das klingt verwegen, wenn die Eltern es ablehnen, ihren Kindern Grenzen zu setzen, Verbote aufzustellen und sie nicht zu bestrafen. Stattdessen wird auf eine Diskussion unter Gleichberechtigten gesetzt und gemeinsam suchen Eltern und Kinder nach einem Lösungsansatz. Auch die Tabuisierung der Sexualität und der freie Umgang mit Regeln und Ordnung sind Teil einer antiautoritären Erziehung, die Kinder sollten sich vielmehr aktiv mit einem Problem auseinandersetzen. So kann das Kind zum Beispiel selbst darüber entscheiden, ob und wann es sein Zimmer aufräumen möchte. Über die Vor- und Nachteile der Aufräumaktion wird dann mit den Eltern diskutiert. Belohnungen und Strafen sind kein Thema.

Ist die antiautoritäre Erziehung überhaupt noch zeitgemäß?

Auch heute gibt es noch Eltern, die ihren Kinder im Stil der 1968er Jahre erziehen, allerdings müssen sie heute wie damals davon ausgehen, dass diese Erziehungsphilosophie in der breiten Masse der Gesellschaft keine Akzeptanz finden wird. Fest steht auch, dass Kinder, die eine antiautoritäre Erziehung genießen, nicht selten sehr große Probleme haben, sich in einer sozialen Gemeinschaft wie beispielsweise in einen Klassenverband einzufügen. Sie werden schnell zu „frechen Egoisten“, sie werden in der Schule gemobbt und was für diese Kinder vielleicht noch schlimmer ist, sie werden zu Außenseitern, die kaum Freunde finden. Letztendlich leidet auch die Familie unter diesem so umstrittenen Erziehungsstil, denn den Eltern wird es kaum gelingen, ihren Kindern plausibel zu machen, dass sie im Recht sind, wenn die Gesellschaft die Kinder spüren lässt, dass sie unrecht haben.

Kindern die richtigen Werte vermitteln

Es ist ein sehr komplexer Vorgang, Kindern die richtigen Werte zu vermitteln, denn diese Werte müssen im Einklang zur Gesellschaft stehen. Passiert das nicht, dann wird das Kind zwangsläufig immer außerhalb der Gesellschaft stehen. Kinder brauchen Regeln und auch Verbote, aber die Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass sie diese Regeln nicht aus lauter Bequemlichkeit aufstellen, sondern dass sie für das Kind und das Leben in der Gesellschaft sinnvoll sind. Kinder brauchen ein positives Vorbild und es sollten in erster Linie die Eltern sein, die als dieses Vorbild fungieren. Was allerdings für die Erziehung im antiautoritären Stil spricht, ist das Demokratieverständnis, was die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben, denn damit zeigen sie ihrem Kind, dass sie auf seine Ansichten eingehen.

Bild: © Depositphotos.com / Yaruta

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Ulrike Dietz

“Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

— Ulrike Dietz

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