Kinder und die Geschichten vom Osterhasen

Kinder und die Geschichten vom Osterhasen

Kinder und die Geschichten vom Osterhasen

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Die klassischen Lügen in der Familie

Eltern bringen Kindern bei, wie wichtig es ist, immer die Wahrheit zu sagen. Selbst Notlügen, so die meisten Eltern, führen im Endeffekt meistens zu einer bösen Überraschung. Trotzdem sagen Kinder häufig nicht die Wahrheit – sei es, weil sie Angst haben oder ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Die Lügen in der Familie sind aber nicht nur seitens der Kinder vorhanden: gerade wenn es um Osterhase, Weihnachtsmann und Christkind geht, greifen Eltern, ohne sich darüber Gedanken zu machen, häufig zu Märchen und erfundenen Geschichten. Ist das in Ordnung?

Die Phantasiephase der Kinder

Instinktiv klingt es für die meisten Menschen sicher etwas überzogen, bei Geschichten vom Osterhasen und Co. über Lügen in der Familie zu sprechen. Und tatsächlich sind die Instinkte hier auch richtig: denn gerade Kleinkinder zwischen drei und zehn Jahren machen eine Art Phantasiephase durch, in der sich Realität und Magie miteinander vermischen. In der Literatur gibt es die Gattung des „magischen Realismus“, der alles andere als nur für Kinder geeignet ist. Das heißt: selbst Erwachsene erhalten sich die magisch-reale Wahrnehmung oftmals noch aufrecht, was angesichts einer oftmals bitteren Realität gar nicht so verkehrt ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn Eltern ihren Kindern erzählen, dass Engel und das Christkind durch das Fenster kommen oder der Weihnachtsmann nachts die Socken am Kamin befüllt, dann sollten diese Geschichten absolut nicht als negative Lügen in der Familie abgestempelt werden. Vielmehr unterstützen Eltern dadurch die Kreativität des Kindes. Sobald Kinder dann aus der Phantasiephase kommen, hören sie ganz von alleine auf, an die magischen Dinge zu glauben, bzw. können klarer abstrahieren.

Was tun, wenn Kinder hinter die Lügen in der Familie kommen?

Dass die Geschichten um die Geschenkebringer seitens der Eltern nicht als wirkliche Lügen in der Familie angesehen werden und dies auch nicht sollten, ist klar. Was aber, wenn die Kinder plötzlich von anderen Kindern hören, dass es den Osterhasen gar nicht gibt? Und was, wenn es plötzlich heißt: „Wir dachten, Lügen in der Familie ist verboten?!“. In diesem speziellen Fall, sollten Eltern von Kind zu Kind unterschiedlich entscheiden. Wer das Gefühl hat, das Kind ist alt genug und wird in den kommenden Monaten sowieso von selbst hinter all die Geschichten kommen, der kann einfach ehrlich sein und dem Kind erklären, dass man es ja nur in der phantasievollen Phase begleitet hat. Natürlich reagieren die meisten Kinder anfangs trotzig und sind vielleicht etwas traurig; dann aber meistens nicht, weil sie sauer sind, dass die Eltern Lügen in der Familie unterstützt haben, sondern eben, weil die Phantasieblase geplatzt ist. Häufig beruhigen sich Kinder dann aber schnell und kommen auf die Eltern zu mit den Worten: „Ich hab’s ja eh gewusst, dass es sowas nicht gibt!“ und sind dann stolz auf ihre erwachsene Denkweise.

Eltern, die immer die Wahrheit sagen

Manche Eltern sind aber tatsächlich der Meinung, dass Lügen in der Familie strikt verboten sein sollten, auch wenn es sich nur um temporär aufrechterhaltene Geschichten, wie die um Weihnachtsmann und Osterhase handelt. Dass den Kindern damit beigebracht werden soll, dass es keinen Zweck hat, an Märchen zu glauben und sich schöne Gedankenwelten zurechtzubiegen, weil die Realität nun einmal nicht so einfach und schön ist, ist verständlich. Dennoch ist von dieser strikten Antihaltung und eventuelle Bestrafung bei jeglichen Lügen in der Familie abzuraten. Denn für wie pädagogisch wertvoll Eltern ihre Erziehung auch halten – jedes Kind hat seinen eigenen Kopf und wird sich in den meisten Fällen auch seine eigenen Gedanken machen. Und wenn Kinder an den Weihnachtsmann glauben wollen, weil sie es von anderen Kindern gehört haben, oder Opa und Oma mal eine Bemerkung gemacht haben, dann glauben sie eben an den Weihnachtsmann.

Viel wichtiger ist: Kinder sollten nicht verwöhnt werden, nur weil ein bestimmtes Fest vor der Tür steht. Der Weihnachtsmann ist gutmütig, aber er belohnt Kinder auf gerechte Art und Weise und überschüttet sie nicht mit Geschenken!

Bild: © Depositphotos.com / fotoskaz

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David E.

David E. ist studierter Germanist und Philosoph, Autor und selbstständiger Texter. Er schreibt zu den verschiedensten Themenbereichen, ist flexibel und gerne bereit, sich in neue Themen einzuarbeiten.

— David E.

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