Neuer Ernährungstrend – sollen Kinder selbst bestimmen, was sie essen wollen?

Neuer Ernährungstrend – sollen Kinder selbst bestimmen, was sie essen wollen?

Neuer Ernährungstrend – sollen Kinder selbst bestimmen, was sie essen wollen?

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Jede erfahrene Mutter kennt die Weisheit, dass Kinder, wenn sie ein halbes Jahr alt sind, zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nehmen dürfen. In der Regel besteht diese erste feste Mahlzeit aus einem Brei oder auch einer zerdrückten Banane, aber ein neuer Ernährungstrend aus Großbritannien stellt alle alten Weisheiten zum Thema Babys und Essen auf den Kopf. „Baby-led Weaning“ heißt ein neuer Ernährungstrend, der bei Kinderärzten höchst umstritten ist.

Essen, was schmeckt

Darf es ein bisschen pürierte Möhre sein oder doch lieber ein Stückchen Eierpfannkuchen? Wie wäre es mit einem Happen Fisch oder vielleicht einem Stück Fleisch? Beim „Baby-led Weaning“ sucht das Kind sich selbst aus, worauf es gerade Appetit hat. Sie ertasten das Essen mit der Hand, riechen daran und schieben sich die Blumenkohlröschen dann selbst in den Mund. „Baby-led Weaning“, was so viel wie babygesteuertes Abstillen bedeutet, ist ein neuer Ernährungstrend, der umstritten ist, aber zumindest in England viele Anhänger hat. Diejenigen, die diesen Trend erfunden haben, behaupten, dass Kinder instinktiv genau wissen, welche Nährstoffe ihnen gerade fehlen und automatisch zu den Lebensmitteln greifen, die diese fehlenden Nährstoffe enthalten. Wenn das Kind dann nicht mehr essen möchte, aber noch Hunger hat, dann kann der Hunger entweder mit Muttermilch oder mit Milch aus der Flasche gestillt werden.

Fingerfood für die Kleinen

In Großbritannien bieten Hebammen Kurse an, um interessierten Müttern zu zeigen, wie das Fingerfood für die Kleinen funktioniert und auch in Internetforen tauschen sich die Mütter aus, die mit „Baby-led Weaning“ bereits Erfahrungen gesammelt haben. In diesen Foren sind vor allem Mütter zu finden, die mit der normalen Beikost keine guten Erfahrungen gemacht haben. Die Babys mochten den Brei nicht oder aßen nur zwei Löffel und verweigerten sich dann komplett. Jede neue Mahlzeit war ein Kampf, aber ein neuer Ernährungstrend brachte dann die Wende. Die Kinder essen mehr und ganz gleich, ob Risotto, Schnitzel oder Nudeln auf den Tisch kommen, die Kleinen lassen es sich richtig gut schmecken.

Neuer Ernährungstrend – was müssen Eltern beachten?

Eltern haben naturgemäß viele Fragen, wenn wieder ein neuer Ernährungstrend auftaucht. Der Hebammenverband hat nützliche Tipps und Ratschläge, was Eltern beachten müssen, wenn sie ihr Baby nach der „Baby-led Weaning“ Methode füttern wollen. So sollte das Kind ein deutliches Interesse an der angebotenen Nahrung haben, es sollte das Essen selbst zum Mund führen können und mit Unterstützung selbstständig sitzen können. Auch der sogenannte Zungenstreckreflex, mit dem die Nahrung wieder aus dem Mund befördert wird, sollte entweder verschwunden oder zumindest stark abgeschwächt sein. Die meisten Kinder sind mit sechs Monaten schon in der Lage, feste Beikost ohne Probleme zu essen.

Welches Essen sollte angeboten werden?

Auch beim Essen selbst sollten einige Regeln beachtet werden. So muss das Essen in mundgerechte Stücke geschnitten werden und die Auswahl sollte sich in Grenzen halten. Ein Stückchen Kohlrabi, Kartoffel oder ein Blumenkohlröschen sind der ideale Anfang für die feste Nahrung. Ein neuer Trend bei der Ernährung ruft auch immer Kritiker auf den Plan und beim „Baby-led Weaning“ ist das nicht anders. Kinderärzte lehnen den Trend ab, denn für eine gute Versorgung ist ein ausgewogenes Angebot an Nahrungsmitteln zwingend notwendig. Wenn Kinder im wahrsten Sinne des Wortes von der Hand in den Mund leben, dann kann es zum Beispiel zu einem Mangel an Eisen kommen. Wenn Kinder abgestillt werden, dann ist ihr Eisenspeicher leer, aber wenn das Baby an einem Stück Fleisch nuckelt, dann bekommt es kaum Eisen. Dazu kommt, dass Kindern die motorisch noch ungeschickt sind, das Nachsehen haben. Ein neuer Ernährungstrend, der auf die Neugier der Kinder setzt, wird sie kaum satt machen, zudem besteht auch die Gefahr, dass die Kleinen sich verschlucken können.

Was spricht für den Trend?

Die Gefahr, dass Kinder sich beim Essen verschlucken können, sehen Hebammen nicht, schließlich besteht auch die Gefahr, dass sich die Kinder beim Trinken verschlucken können. Babys haben zudem ein gesundes, angeborenes Gefühl, wann sie feste Nahrung benötigen und welche Lebensmittel ihnen in welcher Menge guttun. Wenn das Baby selbstbestimmt isst, dann trainiert es zum einen seine Koordination aus Hand und Augen, zum anderen trainiert es auch das natürliche Sättigungsgefühl. Das Ausprobieren und Kennenlernen legt so etwas wie den Grundstein für eine spätere gesunde Ernährung, denn wer früh herausfindet, was schmeckt, der wird später jedem Essen gegenüber aufgeschlossener sein.

Bild: © Depositphotos.com / bereta

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Ulrike Dietz

“Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

— Ulrike Dietz

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