Helikopter-Eltern – warum zu viel Fürsorge schädlich ist

Helikopter-Eltern – warum zu viel Fürsorge schädlich ist

Helikopter-Eltern – warum zu viel Fürsorge schädlich ist

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Alle Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht, sie wollen sie vor Gefahren schützen und ihnen einen sicheren Weg ins Leben ebenen. Wenn die Fürsorge und der Schutz aber übertrieben werden, dann spricht man von sogenannten Helikopter-Eltern, die ständig über ihren Kindern kreisen, sie nie aus den Augen lassen und alle Konflikte für den Nachwuchs lösen. Diese Überbehütung der Kinder kann fatale Folgen haben, denn sie nehmen Kinder wichtige Erfolgserlebnisse und letztendlich auch die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Die Eltern als Manager ihrer Kinder

Wenn Eltern zu Helikopter-Eltern werden, dann übernehmen sie die Rolle eines Managers, der das komplette Leben der Kinder organisiert. Das fängt schon im Sandkasten an, wenn die Kinder nicht mit Gleichaltrigen im Sand buddeln, sondern ausschließlich mit Mama oder Papa formschöne Sandkuchen backen. Kommt ein anderes Kind zu Besuch, dann wird die Mutter sofort mit tollen Spiel- oder Bastelideen aufwarten, damit die Kinder erst gar nicht auf den Gedanken kommen, alleine etwas zu spielen. Kleine Kinder werden zum Kinderturnen geschleppt, sie besuchen Englischkurse, lernen ein Instrument und bekommen Fechtunterricht. „Verinselung“ nennen Soziologen diese Form der Erziehung, denn das Leben der Kinder spielt sich in einem sehr kleinen engen Kosmos ab, den die Eltern schaffen.

Eine Kindheit ohne Erfolge

Helikopter-Eltern schwirren ständig um ihre Kinder herum, sie mutieren zu dienstbaren Geistern und sie sind jederzeit bereit, sich einzumischen oder einzugreifen. Damit tun diese Helikopter-Eltern ihren Kindern keinen Gefallen, im Gegenteil, sie rauben ihrem Sohn oder der Tochter auch wichtige Erfolgserlebnisse. Kinder müssen lernen, Fehler zu machen und damit richtig umzugehen. Kinder müssen aber auch lernen, wo ihre Grenzen sind, sie müssen Erfahrungen sammeln können, aber ihre übervorsichtigen Helikopter-Eltern lassen all das nicht zu. Die Eltern sind immer in der Nähe ihrer Kinder, sie überlassen nichts dem Zufall, sie treffen alle Entscheidungen und sie machen ihre Kinder damit zu unmündigen Menschen, manchmal sogar, ohne es zu merken.

Wie werden Eltern zu Helikopter-Eltern?

Der Begriff Helikopter-Eltern kommt aus den USA, wo dieser Erziehungsstil geprägt wurde. Vielfach sind die Kinder dieser „Helicopter-Parents“ langersehnte Wunschkinder später Eltern. Helikopter-Eltern sehen sich selbst als moderne Eltern, die sich bewusst eng an ihr Kind binden und es mit Liebe überschütten. Diese sehr enge Bindung und die Schwierigkeiten, das Kind loszulassen, das zeugt von einer großen Erwartungshaltung, denn schließlich möchte sich kein Elternpaar nachsagen lassen, dass sie ihrem Kind nicht alles geboten haben. Auch die Tatsache, dass immer weniger Kinder geboren werden, macht Eltern zu Helikopter-Eltern. Noch vor 40 Jahren waren die Spielplätze voll mit Kindern, die zusammen gespielt haben. Heute finden sich nur noch wenige Kinder auf den Spielplätzen ein und die werden von ihren Eltern begleitet.

Die Eltern haben Angst

Die digitale Welt ist ebenfalls ein Grund, warum Eltern wie ein Hubschrauber über dem Leben ihrer Kinder kreisen. Viele Eltern sind durch die ständige Nachrichtenflut der heutigen Zeit ängstlicher geworden. Sie sehen ihre Kinder dauergefährdet und sie alleine spielen zu lassen, ist für diese Eltern bodenloser Leichtsinn. Es gibt Soziologen, die diesen übervorsichtigen Eltern eine Paranoia bescheinigen, denn die Bedrohung, die die Eltern immer und überall sehen, ist nicht real. Im Grunde machen die Eltern nichts anderes als ihre eigene Angst auf die Kinder zu übertragen, dass sie dabei aber ängstliche und unselbstständige Menschen heranziehen, das wird übersehen. Die Gefahren, denen Kinder heute ausgesetzt sind, unterschieden sich kaum von den Gefahren, die es früher auch schon gab. Kinder haben feine Antennen, sie spüren die Angst ihrer Eltern und wer ständig kontrolliert und überwacht wird, der bekommt schnell das Gefühl, sich selbst nicht mehr zu trauen.

Es ist nicht einfach

Kinder brauchen den Schutz und die Fürsorge der Eltern und sie brauchen bis zu einem gewissen Maß auch Kontrolle. Was sie aber nicht brauchen, ist ständige Beaufsichtigung und ein permanentes Spielangebot. Schon Zweijährige können sich wunderbar selbst beschäftigen und zum Beispiel mit Lego-Steinen spielen, es ist nicht nötig, dass die Eltern sich sofort dazu setzen und sich als Baumeister betätigen. Kommen die Kinder in die Schule, dann ist es wichtig, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern stimmt, eine ständige GPS-Ortung des Handys trägt nicht eben zur Vertrauensbildung bei.

Die Eltern von heute müssen lernen, ihre Ängste in den Griff zu bekommen und ihre Kinder zu selbstbewussten freien Menschen zu erziehen. Die Kindheit ist einmalig und sie sollte nicht von übertriebener Sorge bestimmt werden.

Bild: © Depositphotos.com / Kobyakov

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.

— Ulrike Dietz

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